IAA Transportation 2026: Die Sieger der Night of the Stars
Die Preisverleihung gehört traditionell zum internationalen Pressetag der IAA Transportation. Am 14. September 2026 küren mehrere unabhängige Fachjurys die Sieger. Die International-Truck-of-the-Year-Jury unter Vorsitz von Florian Engel vergibt den International Truck of the Year und den Truck Innovation Award. Die Van-of-the-Year-Jury unter Jarlath Sweeney entscheidet über den Transporter des Jahres. Beim International Trailer Award kommen vier Fachkategorien und ein Publikumspreis hinzu. In der Lkw-Jury sitzen 24 stimmberechtigte Fachjournalisten aus Europa; elf weitere Mitglieder vertreten internationale Märkte ohne Stimmrecht. Die Entscheidungen treffen damit Fachjournalisten, nicht die Hersteller. Die Messe öffnet am 15. September und dauert bis zum 20. September.
Den Hauptpreis holt Volvo Trucks mit 86 Punkten – nicht für ein einzelnes Modell, sondern für die neue Generation der batterieelektrischen Baureihen FH, FM, FMX und FH Aero. Roger Alm, Präsident von Volvo Trucks, nimmt die Trophäe von Juryvorsitzendem Florian Engel entgegen. Die Jury hebt Reichweite, Energieeffizienz und die große Bandbreite möglicher Einsätze hervor. Für den FH Aero Electric nennt Volvo bis zu 700 Kilometer Reichweite. Weitere Finalisten waren Ford Trucks F-Max, Iveco S-eWay Tractor, MAN eTGM und Mercedes-Benz eArocs 400. Zum vierten Mal in Folge gewinnt damit ein batterieelektrischer Lkw den Titel. Der F-Max blieb unter den fünf Finalisten der einzige Vertreter mit einem konventionell weiterentwickelten Dieselantrieb. Elektrische Lastwagen sind in diesem Wettbewerb keine Randerscheinung mehr.
Der Truck Innovation Award geht mit 77 Punkten an ZF und das TraXon-Hybridsystem. Andreas Moser, Vorstandsmitglied der ZF Friedrichshafen AG, nimmt die Auszeichnung von Florian Engel entgegen. Der Elektromotor ist direkt in die Getriebearchitektur integriert. Das System gewinnt beim Bremsen Energie zurück, unterstützt den Verbrennungsmotor beim Beschleunigen und ermöglicht begrenzte rein elektrische Fahranteile. Vorteile verspricht ZF vor allem bei häufig wechselnden Last- und Fahrzuständen. Im Finale standen außerdem BYD mit Flash Charging und Blade Battery 2.0, Cellcentric mit seinem Brennstoffzellensystem, Iveco und PlusAI mit einem Level-4-Projekt sowie Scania mit ProDriver. Die Auswahl reicht damit vom Hochleistungsladen über Wasserstoff und automatisiertes Fahren bis zur Verbrauchsoptimierung. Gewonnen hat keine ferne Vision, sondern eine Technik für bestehende Fahrzeugkonzepte und Flotten.
Bei den Transportern fällt das Votum einstimmig aus. Der neue Renault Trafic E-Tech Electric gewinnt den International Van of the Year 2027 im 35. Jahr des Wettbewerbs. Alle 26 Jurymitglieder setzen ihn auf den ersten Platz. Juryvorsitzender Jarlath Sweeney übergibt den Pokal an Jan Ptacek, Vice President Renault LCV. Für Renault ist es der sechste Sieg in dieser Preisreihe. Der Trafic gewann bereits 2002, damals gemeinsam mit Opel Vivaro und Nissan Primastar. Platz zwei erreicht der Stellantis ProOne Compact Van, Platz drei teilen sich Farizon V7E und Volkswagen Caddy Cargo. Auch die Zusammensetzung der Shortlist zeigt den Umbruch im Transportermarkt: Batterieelektrische Modelle dominieren das Feld. Entscheidend sind längst nicht mehr allein Laderaum und Nutzlast, sondern ebenso Reichweite, Ladeleistung, Energieverbrauch und die Einbindung in den betrieblichen Alltag.
Beim International Trailer Award verteilen sich vier Juryentscheidungen und ein Publikumspreis auf fünf Hersteller. In der Kategorie Body gewinnt Schmitz Cargobull mit dem Kühlauflieger S.KO CITY. Die Chassiswertung geht an den für Elektrozugmaschinen optimierten Kögel LIGHT PLUS. Kässbohrer setzt sich bei den Komponenten mit dem modularen Bodensystem K.MFS durch. In der Kategorie Concept gewinnt Krone mit dem TrAIler Health Monitoring. Das System bündelt Zustandsdaten des Aufliegers und soll Störungen früher erkennbar machen. Den per Onlineabstimmung ermittelten Community Award erhält Koluman für seine adaptive Plattform. Dass kein Hersteller zwei Kategorien beherrscht, zeigt die Breite des Wettbewerbs. Neben Gewicht und Haltbarkeit zählen inzwischen Energieeffizienz, flexible Nutzung und digitale Überwachung. Auch beim Trailer entsteht Fortschritt nicht mehr allein durch mehr Stahl oder eine höhere Nutzlast.
Was bleibt von diesem Abend? Vor allem ein Stimmungsbild für die Messe. Mehr als 150 Weltpremieren und Neuheiten sind angekündigt, während die Preise mehrere Entwicklungsrichtungen sichtbar machen: Batterieantrieb im schweren Fernverkehr und bei Transportern, Hybridtechnik als kurzfristig nutzbarer Baustein sowie digitale Zustandsüberwachung am Auflieger. Brennstoffzelle und automatisiertes Fahren standen ebenfalls im Finale, erhielten diesmal aber keinen Preis. Daraus folgt noch kein Urteil über ihre Zukunft. Für Werkstätten, Sachverständige und Ausbilder fällt die Botschaft dennoch eindeutig aus: Hochvolttechnik erreicht immer mehr Nutzfahrzeugklassen und Einsatzbereiche. Qualifizierung lässt sich deshalb nicht auf einzelne Elektrospezialisten beschränken. Diagnose, Arbeitssicherheit und Reparaturannahme verändern sich ebenso wie Wartung und Flottenplanung. Die Trophäen liefern keine Marktstatistik. Sie zeigen aber deutlich, welche Technik die Fachjurys derzeit für preiswürdig halten.
Karin