Von Otto Wagner zu Ernst Fuchs - die Villa
1888 ließ sich der junge Architekt Otto Wagner in der Hüttelbergstraße eine Sommervilla errichten, Jahre bevor ihn Bauten wie die Wiener Stadtbahn und die Postsparkasse berühmt machten. Die großzügige Halle, die geschwungene Freitreppe und die beiden Seitenflügel prägten das Haus, das bald zum Treffpunkt der Wiener Gesellschaft wurde. Zu den Gästen zählten Gustav Klimt, Gustav Mahler und Adolf Loos. 1912 ging die Villa an den Theaterdirektor Ben Tiber über. In den folgenden Jahrzehnten verlor das Gebäude viel von seinem früheren Glanz und geriet zunehmend in eine schwierige Phase seiner Geschichte.
Während der NS-Zeit wurde die Villa enteignet, ihre Besitzer wurden vertrieben. In den folgenden Jahrzehnten verfiel das Gebäude zunehmend. Ernst Fuchs kannte das Haus bereits aus seiner Kindheit und erwarb das heruntergekommene Anwesen 1972, um es vor dem drohenden Abriss zu bewahren. Es folgte eine jahrelange Restaurierung, bei der Fuchs die Räume zugleich nach seinen künstlerischen Vorstellungen gestaltete. Goldene Ornamente, Wandmalereien und skulpturale Elemente hielten Einzug. Dabei beschränkte sich Fuchs nicht auf die Wiederherstellung der historischen Bausubstanz, sondern hinterließ in zahlreichen Räumen seine eigene künstlerische Handschrift. Architektur, Malerei und plastische Arbeiten greifen ineinander und prägen das Erscheinungsbild bis ins Detail. So entstand aus der ehemaligen Sommervilla ein Gesamtkunstwerk, in dem Otto Wagners Architektur und die Bildsprache des Phantastischen Realismus unmittelbar aufeinandertreffen.
1988 öffnete Ernst Fuchs das restaurierte Haus erstmals für die Öffentlichkeit. Aus der einstigen Privatvilla war das Ernst-Fuchs-Museum geworden. Fuchs zog später nach Monte Carlo, nutzte die Villa jedoch bis zu seinem Tod 2015 weiterhin als Atelier und zeitweiligen Wohnsitz. Heute führt der Rundgang durch den Großen Salon, den Adolf-Böhm-Saal und den Blauen Salon. Gemälde, Skulpturen und von Fuchs entworfene Möbel bestimmen die Räume mit kräftigen Farben und dicht gesetzten Details. Im Garten befindet sich das ebenfalls von ihm gestaltete Nymphäum Omega, ein mit Mosaiken und Figuren ausgestattetes Brunnenhaus. Ein Café auf dem Gelände bietet Besuchern anschließend Gelegenheit für eine Pause und verbindet den Museumsbesuch mit einem Aufenthalt am Rand des Wienerwaldes.
Das Ernst-Fuchs-Museum in der Hüttelbergstraße 26 im 14. Wiener Gemeindebezirk ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 16 Uhr geöffnet, montags bleibt es geschlossen. Der reguläre Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt kostet der Besuch 9 Euro. Mit der Niederösterreich-Card ist der Eintritt kostenlos. Führungen durch die Villa und ihre Sammlung werden freitags um 14 Uhr angeboten. Sie sind ab fünf Personen möglich und müssen spätestens drei Tage vorher angemeldet werden. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln lässt sich das Museum vom Wiener Stadtzentrum aus in rund 30 Minuten erreichen. Damit eignet sich die Wagner-Villa auch für einen Abstecher abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten im Zentrum und verbindet den Museumsbesuch mit einem Ausflug an den Rand des Wienerwaldes.
Karin